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Aus Der Erbengemeinschaft

Aus der Erbengemeinschaft

Auflösen und Verlassen der Erbengemeinschaft: Drei Möglichkeiten

Die Erbengemeinschaft ist vom Grundsatz eine Zwangsgemeinschaft und nicht auf Dauer angelegt. Das Gesetz sieht als Ziel der Erbengemeinschaft die Auflösung, d.h. die Auseinandersetzung. Eine Auseinandersetzung kann jedoch nur dann stattfinden, wenn die sogenannte Teilungsreife eingetreten ist. Diese kann nur eintreten, wenn sämtliche Nachlassverbindlichkeiten befriedigt sind.

Die Auseinandersetzung der Erbengemeinschaft kann auf drei unterschiedliche Arten stattfinden:

1. Aufteilung des Nachlasses

Die Teilungsreife birgt insbesondere dann Probleme, wenn nicht nur Geld, sondern bewegliche Gegenstände und/oder Immobilienvermögen sich im Nachlass befinden. In diesem Fall tritt eine Teilungsreife nur dann ein, wenn die Mitglieder der Erbengemeinschaft Einigkeit über die Verteilung der dinglichen Gegenstände herbeiführen konnten.

Die Aufteilung des Nachlasses unter den Miterben kann entweder entsprechend der Teilungsanordnung des Erblassers im Testament, nach den gesetzlichen Bestimmungen oder aufgrund einer Vereinbarung der Miterben untereinander geschehen. Die gegenständliche Teilung des Nachlasses führt häufig zu erheblichen Problemen. Besteht auch nur Streit über einen Nachlassgegenstand, kann eine Teilung des Nachlasses und damit eine Auseinandersetzung der Erbengemeinschaft nicht stattfinden. Gelingt eine Teilung im Einverständnis aller Miterben wird diese im sogenannten Erbauseinandersetzungsvertrag festgehalten.

Können die Miterben eine Einigung nicht herbeiführen, kann die Erbengemeinschaft nur im Wege der Teilungsversteigerung auseinandergesetzt werden. Gerade bei Immobilien findet häufig die so genannte Auseinandersetzungsversteigerung statt. Der Grundbesitz wird dann versteigert und in einem zweiten Schritt der Versteigerungserlös unter den Miterben aufgeteilt.

Häufig kann eine Erbengemeinschaft auch nicht mit einer Erbauseinandersetzungsklage erfolgreich auseinandergesetzt werden, weil keine Teilungsreife vorliegt. Sind noch einzelne Gegenstände im Nachlass vorhanden, entfällt die Möglichkeit der Erbauseinandersetzungsklage. Die Gegenstände müssen erst auf der Grundlage eines einstimmigen Beschlusses veräußert werden oder im Wege der Teilungsversteigerung auseinandergesetzt werden.

2. Ausscheiden durch „Abschichtung“ und „Anwachsung“

Bei der zweiten Möglichkeit handelt es sich um einen Sonderfall der ersten Auseinandersetzung. Der Gesetzgeber hat diese Möglichkeit zwar nicht vorgesehen, inzwischen ist sie jedoch höchstrichterlich anerkannt. Bei diesem Modell, wird die Erbengemeinschaft nicht vollständig aufgelöst sondern einzelne Miterben scheiden durch Übertragung ihres Erbanteils auf andere Miterben gegen Zahlung einer Abfindung aus der Erbengemeinschaft aus. Die übrigen verbleibenden Erben können dann ggf. im Rahmen einer vollständigen Erbauseinandersetzung den Nachlass auseinandersetzen.

3. Verkauf des Erbteils

Jeder Miterbe kann jederzeit seinen Erbanteil an einen weiteren Miterben oder an einen Dritten veräußern. Dies geschieht im Rahmen eines notariellen Erbteilskaufvertrages. Hierzu bedarf es nicht der Zustimmung der übrigen Miterben. Jeder Miterbe kann über seinen Erbanteil alleine entscheiden. Den übrigen Miterben steht allerdings ein Vorkaufsrecht zu, das sie innerhalb von zwei Monaten ausüben können, sofern der Erbanteil an einen Dritten veräußert worden ist.

Praxistipp: Die Auseinandersetzung einer Erbengemeinschaft ist in der Praxis immer mit erheblichen Problemen verbunden. Versuchen Sie deshalb möglichst mit allen Erben eine einvernehmliche Regelung zu finden.

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